Pferdeforum

Pferde verkaufen, ja oder nein? Ich weiß nicht weiter...

Forum für alles, was Euch auf dem Herzen liegt.

Pferde verkaufen, ja oder nein? Ich weiß nicht weiter...


Pferde verkaufen, ja oder nein? Ich weiß nicht weiter...

Beitragvon chrisli0204 am 19.12.2017, 16:03

Ich stehe momentan vor meiner schwierigsten Entscheidung:
Verkaufe ich meine Pferde?

Zur Situation: Vor 6 Jahren (also mit 13) habe ich einen Haflingermix erstanden. Ein Jahr danach ein Shetlandpony (für meine Schwester) Diese war trächtig und vor vier Jahren hatten wir also plötzlich auch noch ein Fohlen.
Nun habe ich 3 Pferde - einen eigenen Stall mit genügend Auslauf und im Sommer riesen Weideflächen.

Vor circa zwei Wochen ging es mir immer schlechter. Ich wusste nicht was mit mir los war & dann am Freitag weinte ich aus heiterem Himmel vor meiner Familie los & gab bekannt: Ich werde meine Pferde verkaufen. Ich war selbst über mich überrascht...

Sie rieten mir das alles nicht zu überstürzen und das Jahr erst einmal umgehen zu lassen. Bis dahin ging es mir auch gut, der Gedanke war weg. Ich trainierte mit meinen Pferden.
Bis ich am Sonntag nach dem Mittagessen gedacht habe " Ach jetzt musst du doch mal zu den Pferden"
Ich war so überrascht über dieses Wörtchen "musst". Nach dem Training mit meinen Pferden überkam mich wieder die Traurigkeit und ich fing wieder aus heiterem Himmel an zu weinen. Ich war wieder auf dem "Trip": Ich werde meine Pferde verkaufen.

(Eine RB ist leider nicht möglich..)

Ich habe eine Pro & Contra Liste angefertigt:
Warum ich meine Pferde behalten sollte?:
- es sind meine Pferde, ich habe sie eine lange Zeit und wir haben viel durchgemacht
-es sind Familienmitglieder, die man nicht "einfach so" weggibt
-sie zu verkaufen ist eine Entscheidung für immer. wenn ich sie einmal verkauft habe, dann sind sie für immer weg. Ein anderes Pferd würde das nicht wettmachen
-es würde mir das Herz brechen
(-sie sind meine Auszeit vom Leben)
- ich habe Angst, das sie in falsche Hände kommen
- ich habe Angst, den Verkauf zu bereuen und das mich dann noch mehr fertig macht..


Warum ich sie verkaufen sollte?:
-ich habe durch mein 3. Lehrjahr eigentlich kaum noch Zeit, stehe kurz vor meinen Prüfungen und möchte danach meinen Fach- & Betriebswirt in der Abendschule machen & danach in unserem Familienbetrieb voll mit einsteigen
-ich möchte mit meinem Freund nächstes Jahr eine Wohnung bauen, das nimmt Zeit und Geld in anspruch
- ich weiß nicht ob ich das alles psychisch noch schaffe, ich pendel nur noch zwischen Arbeit, Stall und Familie hin und her
- meine Schwester ist noch zu klein, um mich voll dabei zu unterstützen
-wäre mein Freund nicht, würde ich es sowieso nicht mehr schaffen..
-ich merke immer mehr, das es auch für sie nicht gesund ist, sie haben zwar min. 12 Stunden Auslauf, aber das Training fehlt ihnen natürlich auch
- ich muss mich meist eher in meiner wenigen freien Zeit "aufrappeln" um mit ihnen zu trainieren, ich liebe sie klar über alles, aber was "bringt es mir" wenn ich füttere, ausmiste und kuschel aber keine richtige Lust zum Training finde

Am Sonntag hatte ich sie schon mal in eb*y inseriert, weil ich mir dort noch sicher war, ich verkaufe sie. Nun habe ich seit gestern auch schon für alle 3 Käufer, leider können sie nicht zusammen bleiben. Aber die neuen Besitzer wären auf alle Fälle gut zu Ihnen.. Nach diesem Wissen neue Besitzer zu haben, brach ich gestern Abend beim Füttern vor Tränen fast zusammen und gestand meinem Freund " Ich kann sie nicht verkaufen, es sind doch meine Pferde"...


meine Familie unterstützt mich, egal wie ich mich entscheide..
je mehr ich drüber nachdenke, desto weniger weiß ich auch nicht, was ich tun soll.. im einen Moment denke ich, das es das Beste für beide Parteien ist & im nächsten kann ich sie nicht verkaufen, da es mich innerlich zerreißt..
Ich wusste, das es nicht einfach ist.. aber das es mich so auffrisst hätte ich nicht gedacht..
Es macht mich nur momentan total fertig und ich versuche mich an jeden Strohalm zu klammern... :(
chrisli0204
 
Beiträge: 3
Registriert: 19.12.2017, 15:49

Re: Pferde verkaufen, ja oder nein? Ich weiß nicht weiter...

Beitragvon Pit am 19.12.2017, 16:25

Klingt nach Burn out durch Überlastung.
Auszeit nehmen, würd ich sagen. Lass - wenn es geht - mal jemand anderen die Arbeit übernehmen. Ausmisten Füttern und all sowas. So dass du mit den Pferden mal echt NIX zu tun hast für eine Woche oder zwei. Dann guck, wie du damit lebst. Dadurch kannst du deine Akkus mal wieder auftanken und sehen, wie es sich anfühlt, so ganz ohne Pferde.

Hab ich das richtig verstanden, dass du Freitag beschlossen hast, Pferde kommen weg, am Sonntag hast du sie eingestellt auf ebay und einen Tag später hast du bereits Käufer für alle??? Wann waren die denn zum Ansehen und Kennenlernen da??? Überstürze nichts. :?: :?: :?:

Komisch, hier versuchen Stallkollegen seit Monaten ihre Pferde an den Mann zu bringen und haben immer mal wieder Interessenten da, aber der 100% Pass-Faktor ist so schnell nie eingetreten. Schon gar nicht mit der Sorge: Passt der Käufer auch gut aufs Pferd auf?

Und wenn es dir so am Herzen liegt, dann behalt doch erst mal eines, stell es wo unter, wo es versorgt wird und guck, ob es dir damit besser geht - Pferd behalten, Reiten können, aber keine Arbeit mehr damit, evtl eine RB die fürs Reiten bezahlt und du kannst das Thema - ALLE weggeben - noch eine Weile vertagen. Gibt doch noch so einige Möglichkeiten mehr bevor man gänzlich Alles wegschmeißt. Hast du an so eine Möglichkeit nie gedacht? (bei den paar Tagen Bedenkzeit nicht verwunderlich)

Liest sich alles ganz schön nach Troll, wenn du mich fragst
Pit
 
Beiträge: 1919
Registriert: 04.03.2014, 12:43
Wohnort: Bayern

Re: Pferde verkaufen, ja oder nein? Ich weiß nicht weiter...

Beitragvon chrisli0204 am 19.12.2017, 16:31

ich kenne die Menschen, die sie haben möchten...
Nur wohnen diese ganz schön weit weg..

auf der einen Seite möchte ich sie verkaufen, um wieder Zeit für mich zu haben, auf der anderen Seite habe ich sie zu lieb um sie fortzugeben.

Es ist halt nicht das wöchentliche Tennisspielen mit Freuden, was man aufgibt..
Außerdem brauchen mich meine Pferde täglich, wenn ich mal keine Zeit habe kann ich nicht einfach nicht hingehen..

Tut mir leid, es ist kein Troll... ich bin fix und fertig..
chrisli0204
 
Beiträge: 3
Registriert: 19.12.2017, 15:49

Re: Pferde verkaufen, ja oder nein? Ich weiß nicht weiter...

Beitragvon Romeo am 19.12.2017, 17:20

Ich würde sagen, geh zu einem Psychologen. Oder ganz banal, lass deinen Hormonstatus überprüfen. Schwanger bist du nicht zufällig?

Überstürze nichts. Ich würde gar nichts ändern, solange ich mir nicht 100 %sicher wäre, das richtige zu tun. Du bist überlastet, verständlich. Versuche daran etwas zu ändern (wie meine Vorschreiberin schon riet, nimm dir eine zweiwöchige Auszeit, daran sterben die Pferde nicht, wenn sie zwei Woche nicht trainiert werden).
Deine Schwester, tut die gar nichts mehr mit den PFerden? Ihr habt einen landwirtschaftlichen Betrieb, wenn ich das richtig verstanden habe? Und du mistest die Pferde komplett selbst? Gibt es evtl. einen Angestellten, der das gegen Bezahlung übernehmen könnte/möchte?
Warum ist eine RB nicht möglich?
Romeo
 
Beiträge: 827
Registriert: 15.09.2014, 08:14

Re: Pferde verkaufen, ja oder nein? Ich weiß nicht weiter...

Beitragvon Pit am 19.12.2017, 20:34

chrisli0204 hat geschrieben:Außerdem brauchen mich meine Pferde täglich, wenn ich mal keine Zeit habe kann ich nicht einfach nicht hingehen...
Kannst du - wie gesagt - nicht erst mal versuchen, das abzustellen und dir eine Lösung zu suchen, die keine tägliche Anwesenheit und Arbeit bedeutet? Einstellen oder dir selber nen Einsteller dazuholen, der mit dir die Arbeit teilt oder irgendsowas? Innerhalb von 14 Tagen was übers Knie zu brechen und 6 Jahre Gewohnheit einfach so beenden find ich echt krass.
Pit
 
Beiträge: 1919
Registriert: 04.03.2014, 12:43
Wohnort: Bayern

Re: Pferde verkaufen, ja oder nein? Ich weiß nicht weiter...

Beitragvon dusty am 21.12.2017, 09:50

:D die weise alte Oma spricht :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Mein Leben ist nicht als zu "normal" verlaufen, und ich war immer froh, das ich die Pferde hatte. ich habe auch schon Pferde verkauft- einmal, weil es absolut nicht gepasst hat; einmal, weil der Träger meines Nicknamens viel besser zu einem anderen besitzer gepasst hat als zu mir, ich aber auch in einer Situation war wo ich keine zwei pferde unterhalten konnte- da war grade mein Chaosstern wieder voll am Aufgehen. Und das dritte war ebenso wie Dusty- er hat einen besseren Besitzer wie mich gefunden, ich hätte keine zwei Pferde unterhalten können, aber der war eh nur ein Rettungskauf wo ich von vorneherein wußte, der bekommt einen passenden besitzer. Alle 3 Pferde haben übrigens ihr ganzes restliches Leben bei ihren neuen besitzern verbracht.

Aber ich habe ein Herzenspferd, und der war außer in Island und England überall mit mir dabei :)- denn ich habe mehrmals für längere zeit im Ausland gelebt. In meiner Abwesenheit hatte ich jeweils Reitbeteiligungen, die ihn sehr liebevoll versorgt haben- und mein pony war zwar ein schatz im Umgang, aber ein Chaot beim Reiten. der rannte in jeder Gangart und hatte immer seine eigene Meinung, die er vehement durchzusetzen wusste :D Pony halt.

Liebe TE- ja, das klingt tatsächlich so, als wärst Du so gerade ein wenig am Rande des Burnouts. Das Gefühl kenne ich ganz gut- da ich ein gründlicher Mensch bin waren meine bisherigen Burn-Outs nämlich auch wahre Blackouts. Es ist leicht gesagt man soll es nicht so weit kommen lassen- aber, z.B. zum, Durchhalten und zum Pflichtbewusstsein wird man auch erzogen. ich vielleicht weniger, ich hatte die berühmte schwere Kindheit, ich hab mir das eher als Überlebensstrategie angeeignet.
Ja, wenn einem alles über den Kopf wächst, neigt man dazu, explosiv den ganzen Kram hinzuschmeissen- nennt man auch Kurzschlußreaktion.

Du bist momentan auch voll mit allem möglichen- aber glaub mir, das Leben wird Dir noch viele weitere Dinge zumuten, an denen man leicht scheitern kann !!!

Wenn man erwachsen wird, muß man nämlich sein leben plötzlich selbst regeln. es kommen auch Ängste hinzu, weil man plötzlich Dinge schaffen MUSS- den Schulabschluß, den Lehrabschluß, Job finden, davon leben können......wer von den älteren hier im Forum kennt das nicht.
bei uns Frauen- Männer sehen das meist etwas anders- kommt dann eben noch die Partnerschaft hinzu- auch die nimmt Zeit in Anspruch, bringt Konflikte und fordert ihren Raum. Evtl. kommen dann noch Kinder hinzu- trotzdem kenne ich sehr viele reiter / pferdemenschen, die Kinder, mann, Pferde und beruf unter einen Hut bringen.

Die Frage ist nur, schlittert man dabei immer am Rand des absoluten "Müssens" herum, oder WILL man das alles WIRKLICH. und wenn man das wirklich will- ist es auch wirklich zu schaffen, ohne das man in Streß und Schuldgefühlen erstickt ? In dem fall wird man Entscheidungen treffen müssen- und nicht immer kann man einfach den Job werfen / wechseln, Kinder und mann abgegen ist auch schwierig....

Ich sag Dir mal wie mein Alltag normal aussieht- und das empfinde ich absolut nicht als Belastung !
- je nach Dienstplan, Arbeit in der Altenpflege, meist von 6:30 Uhr bis 14:30 Uhr
- danach gebe ich Reitstunden, meist an 6 tagen die Woche, täglich wechselnd zwischen ein und 5. Manchmal ist auch andere Arbeit mit dem Pferd
- an 3 Abenden die Woche reite ich mein eigenes Pferd, meist aus, ca. 2 h, dazu kommen 2 Tage Stalldienst mit ca. 1,5 h Arbeit
- mindestens einmal die Woche fahre ich 45 km zu meiner Oma, kaffeekränzchen und Einkauf mitbringen
- ebenso klappere ich einmal die Woche Bruder samt Familie und meine Mutter ab.
- 2-3 mal die Woche muß ich für ca eineinhalb Stunden ins Fitnesstudio, da mein kaputter rücken regelmäßig trainiert sein will
- außerdem habe ich noch Freizeit, die ich gerne mit meiner besten freundin verbringe

Das alles funktioniert nur mit gutem Zeitmanagement- etwas was ich mir mit 18 Jahren hätte nie vorstellen können, das man so durchorganisiert sein muß.
ich schiebe eher unwichtige Dinge, und nicht schiebbares muß eben erledigt werden.

Die Burn Outs hatte ich, wenn ich meine Belastungsgrenze überschritten hatte- das ist aber meist psychischer natur- vor allem wenn ich mal wieder Probleme mit den lieben Mitmenschen habe, Mobbing im Reitstall und viel schlimmer auf der Arbeit. Das ist bei mir der Tropfen, der das fass zum Überlaufen bringt. Solche Mitmenschen merken deinen schwachen Punkt, eben das Du sehr belastet bist, aber Dir auch Dinge schnell zu Herzen nimmst- und dann wird losgehackt.

Bei uns im Betrieb wird fröhlich gemobbt- aber natürlich wird der gute Teamgeist beschworen. Das artet dann in unschönen Gesprächen beim Chef aus, wo auch immer mal mit Kündigung gedroht wird. Nun ja, das geht seit 8 Jahren so, das kann man eigentlich nicht mehr ernst nehmen, aber es ärgert einem eben. Ein guter Chef sollte die Mobber schnappen, nicht die gemobbten- aber dann erfährt er ja nix, nicht wahr ?


Kurzschlußreaktionen führen zu nichts- denn in dem Moment stehst Du nicht hinter deinen Entscheidungen. das führt dann nur zu Schuldgefühlen.

Aber, eine rationelle statt emotionale Entscheidung ist immer sinnvoll.

Setzt Dich hin, überlege gut, wer Dich unterstützen kann, ob Du es zeitlich gebacken bekommst, ob es vielleicht Sinn macht nur ein Pferd zu behalten und dieses einzustellen usf. Wo möglich, bespreche das auch mit jemanden, der das alles auch rational sehen kann.
Ein Pferd ist nun mal kein Hund oder eine Katze, die man überall hin mitnehmen kann und die man auch leicht "dazwischenschiebt".

Übrigens- kein Pferd stirbt, weil es keine bewegung hat, sofern es einen genügend großen Offenstall hat. was ist denn mit all den unreitbaren Pferden, die teils ihr halbes leben durchgefüttert werden ?
Wir haben auch so ein Pferd bei uns stehen, das eben mitläuft, eigentlich gesund ist, abers eit jahren maximal sporadisch mal ne Stunde um den Hof geritten wird. Also, er sieht dabei absolut nicht leidend aus.
dusty
 
Beiträge: 1389
Registriert: 28.01.2012, 08:26

Pferde verkaufen, ja oder nein? Ich weiß nicht weiter...



Zurück zu Smalltalk



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast